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„Kein Alkohol am Arbeitsplatz!“

Suchthilfe Hildesheim wirbt bei Betrieben für offenen Umgang mit Suchtproblemen / Bundesweite Aktionswoche vom 18.-26. Mai 2019

„Kein Alkohol am Arbeitsplatz!“ lautet das Schwerpunktthema der Aktionswoche Alkohol, die vom 18.-26. Mai deutschlandweit mit zahlreichen Veranstaltungen auf die gesundheitlichen und sozialen Risiken des Alkoholkonsums aufmerksam macht. Die Suchthilfe Hildesheim wirbt mit einem Stand auf dem Werksgelände der Firma Bosch darum, Alkoholprobleme bei der Arbeit offen anzusprechen.

Aus gutem Grund: 10 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland - von der Aushilfskraft bis zur Geschäftsführung - trinken aus gesundheitlicher Sicht zu viel Alkohol. Damit zählt Deutschland weltweit zu den führenden Nationen, wenn es um den riskanten Konsum von Alkohol geht. Schon ein einziges Glas ist ein Glas zu viel: Wer bei der Arbeit unter Alkoholeinfluss steht, gefährdet sich und andere.

Alkoholisiert Autofahren ist nicht einfach: Mit Bobby-Car und Rauschbrille konnten die Bosch-Mitarbeiter vor der Kantine ein solches Fahrerleben nachvollziehen. Suchttherapeutin Sarah-Julia Gronemann und Bosch-Sozialberater Thomas Behnken beobachten die Fahrversuche. Foto: Pohlmann/Caritas
Alkoholisiert Autofahren ist nicht einfach: Mit Rauschbrille wird der Bobbycar-Parcours zu einem großen Problem.

 

Ein Gefühl dafür, wie sich Alkohol auswirkt, konnten die Mitarbeiter der Firma Bosch in Hildesheim am Stand der Suchthilfe mittels einer Rauschbrille bekommen. Landete beim Basketball noch so manch ein Ball auch im „angetrunkenen“ Zustand im Korb, wurde das Aufschließen eines Schlosses deutlich schwerer und so manches Hütchen beim Slalom-Parcours mit einem Bobby-Car umgefahren.

Suchtprobleme haben erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzten und den Betrieb. „Schweigen oder versteckte Vorwürfe helfen niemandem“, betonen die Suchttherapeutinnen Sarah-Julia Gronemann und Monika Lucki, die mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Bei Bosch treffen sie mit ihrem Anliegen auf offene Ohren: „Diese Gesundheitsfürsorge ist dem Unternehmen ein wichtiges Anliegen“, sagt Thomas Behnken von der betrieblichen Sozialberatung. So gibt es auch betriebsinterne Suchtberater und eine gute Zusammenarbeit mit der Suchthilfe, wenn es beispielsweise um Behandlungen von Suchtkranken geht.

Unter dem Motto „Alkohol? Weniger ist besser!“ organisiert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Kooperation mit der BARMER und der DRV Bund regelmäßig die Aktionswoche Alkohol. „Gerade in der Arbeitswelt ist Alkohol schon in geringen Mengen folgenreich. Verminderte Konzentration und Leistung führen zur Gefährdung der Arbeitssicherheit und zu einer Belastung des sozialen Umfelds. Alkohol spielt bei jedem fünften Arbeits- und Wegeunfall eine Rolle und mit zunehmendem Alkoholkonsum fehlen Beschäftigte auch häufiger am Arbeitsplatz“, sagt Christina Rummel, stellvertretende DHS-Geschäftsführerin.

„Arbeiten und Alkohol – das passt nicht zusammen!", betont auch Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Schirmherrin der Aktionswoche.  Wer schon im Job zur Flasche greife, der brauche Hilfe und zwar von allen Seiten. Auch die Arbeitgeber seien hier gefragt, erläutert Mortler: „Schauen Sie genau hin, fragen Sie nach, kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter! Es darf kein Tabu mehr sein, über Sucht zu sprechen, denn Suchtgefährdung kennt weder Dienstbeginn noch Feierabend!“

Die Suchthilfe Hildesheim - Sarstedt bietet Firmen unterschiedliche Module betrieblicher Suchtprävention und Gesundheitsförderung an. Dazu gehören beispielsweise Angebote zur individuellen Konsumreduzierung, Qualifizierung und Sensibilisierung von Mitarbeitern und Vorgesetzten und die Unterstützung, den Umgang mit Suchtmitteln im Betrieb zu regeln. Erforderlich ist dabei ein auf den jeweiligen Betrieb oder die jeweilige Verwaltung zugeschnittenes Konzept zur Suchtprävention und Gesundheitsförderung.