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Ist das auch kindersicher?

Kinder der Caritas-Kita St. Martin in Emmerke testen Verpackungen

Medikamente oder Reinigungsmittel sind oft die Ursache für Vergiftungen bei Kleinkindern. Um den Schutz der Kinder im Alltag zu erhöhen, sollen diese Produkte daher möglichst kindersicher verpackt und verschlossen sein. Doch sind sie das wirklich? Kinder der Caritas-Kita St. Martin in Emmerke haben jetzt eine mögliche neue Verpackung für ein Medizinprodukt auf eben diese Kindersicherheit getestet.

„Versucht mal, ob Ihr das aufbekommt“, fordert Bettina Heming vom Institut VerpackungsMarktforschung (IVM) die Kinder auf und reicht ihnen eine silbergraue Verpackung. Sogleich machen sich Lisa und Jonathan ans Werk. Sie drücken, quetschen, ziehen, reißen und knibbeln daran herum. „Kinder haben ganz unterschiedliche Herangehensweisen“, berichtet Heming. Manche versuchen es mit Kraft, andere eher mit Akribie und Geschick. Nach fünf Minuten unterbricht sie die Versuche der Kinder und demonstriert, dass sich die Verpackung tatsächlich öffnen lässt. Danach haben die Kinder weitere fünf Minuten Zeit, selbst auch die Verpackung zu öffnen.

Unter den Augen von Bettina Heming testen die Kinder sehr intensiv, ob sie die Verpackung öffnen können. Foto: Pohlmann/Caritas
Unter den Augen von Bettina Heming testen die Kinder sehr intensiv, ob sie die Verpackung öffnen können. Foto: Pohlmann/Caritas

Dieses Prüfverfahren ist genau vorgeschrieben und wird von Heming entsprechend protokolliert. Jede Verpackung wird dabei von mindestens 100 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 42 und 51 Monaten aus unterschiedlichen Einrichtungen getestet. Etwa zweimal im Jahr kommt Heming zu solchen Tests in die Kindertagesstätte nach Emmerke und führt mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Kindern durch. Die Kinder sind dabei maximal zu dritt.

„Blödes Ding“, entfährt es Jonathan angesichts seiner vergeblichen Versuche, die Verpackung zu öffnen. Lisa dagegen hat plötzlich die Tube in der Hand, die doch eigentlich kindersicher verpackt sein sollte. Für den Test ist nur Wasser darin, doch bei richtigen Medikamenten oder Reinigern könnte dies ernste Folgen haben. „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, betont die Prüferin. Auch wenn es einzelnen Kindern im Test gelingt, die Verpackung zu öffnen, könne das Produkt dennoch als kindersicher zertifiziert werden. „Gelingt es auch nach einer Ausweitung des Testes prozentual immer noch zu vielen Kindern, die Verpackung zu öffnen, gibt es dann allerdings auch kein Zertifikat“, erklärt Heming. Die Hersteller müssen dann nachbessern.

Angesichts der nicht gänzlich zu schaffenden Sicherheit liegt ihr auch die Beratung und Aufklärung im Umgang mit gefährlichen Stoffen am Herzen: „Wichtig ist, dass Kinder nicht an Medizin und Reinigungsmittel kommen.“ Auf ihre Nachfrage, wo sich denn zuhause die Medikamente befinden, erfährt sie von den Kindern sowohl beruhigendes als auch beunruhigendes: Vom abgeschlossenen, oben an der Wand hängenden Medikamentenschrank bis hin zur offenen Küchenschublade reichen die Antworten.  „Medizin kann gefährlich sein. Da dürft ihr nie alleine heran gehen“, mahnt Heming eindringlich. Lisa und ihre Mitstreiter wissen um die besondere Testsituation - und dass sie das Experiment zuhause keinesfalls nachmachen dürfen. Rückmeldungen an die Eltern, ob Kinder die Verpackungen öffnen konnten oder nach ihren Schilderungen gefährliche Situationen im Haushalt drohen, gehören für die Fachfrau zu dem Test dazu: „Allein auf eine kindersichere Verpackung darf sich keiner verlassen“.