✆ 0 5121 / 16 77 0  |  ✉ zentrale@caritas-hildesheim.de

Kein Auskommen für Pflegekräfte

Leistungen der Caritas-St. Bernward ambulanten Pflege werden durch Pflegekassen nicht ausreichend refinanziert

 

Die Pflegekräfte der Caritas-St. Bernward ambulanten Pflege gGmbH werden in diesem Jahr kein Weihnachtsgeld bekommen. Auch auf die tariflich vorgesehenen Steigerungen ihres Lohnes werden sie verzichten müssen. Ein entsprechender Antrag an die zuständige Regionalkommission Nord der Caritas ist gestellt. Grund ist eine nicht ausreichende Refinanzierung der erbrachten Leistungen durch die Pflegekassen.

Bestes Beispiel für diese nicht ausreichende Finanzierung der Dienste ist die Wegepauschale, die der Pflegedienst für jeden Hausbesuch erhält. Sie beträgt aktuell 3,84 Euro. Davon müssen sowohl die Arbeitszeit der Pflegekraft als auch die Kosten für das Fahrzeug bezahlt werden. „Der gesunde Menschenverstand reicht aus, um zu wissen, dass ein Handwerksbetrieb bei einem solchen Preisdiktat schnell in die Pleite fahren würde“, erklärt Geschäftsführer Dr. John G. Coughlan. Eine betriebswirtschaftliche Kalkulation der Wegekosten werde jedoch von den Pflegekassen abgelehnt. Eine an den tatsächlichen Kosten orientierte Pauschale läge nach seinen Berechnungen mindestens um einen Euro höher. Doch auch hier blockieren die Pflegekassen: „Damit gefährden sie die ambulante Versorgung vor allem im ländlichen Raum“, warnt Coughlan. Der Caritas-St. Bernward ambulanten Pflege fehlt allein dadurch ein sechsstelliger Betrag.  

Noch ungeheuerlicher findet der Geschäftsführer den Vorschlag der Pflegekassen zum Thema Fachkräfte: „Wir sollen weitgehend auf examinierte Kräfte verzichten und mehr Helferinnen einsetzen.“ Ungeachtet der aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen über eine menschenwürdige und bedarfsgerechte Pflege setzen die Pflegekassen auf Einsparungen. Ob das gerade vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals daran etwas ändert, ist ungewiss: „Die Pflegekassen entscheiden letztlich, was passiert. Sie diktieren die Bedingungen“, sagt Coughlan. Hier versage die gewollte Selbstverwaltung des Systems, ein Gegengewicht zu den übermächtigen Pflegekassen fehle: „Wenn wir zukünftig überhaupt eine flächendeckende und bedarfsgerechte Pflege in dieser Gesellschaft vorhalten wollen, muss an dieser Stelle korrigierend eingegriffen werden“, fordert der Geschäftsführer der Caritas-St. Bernward ambulanten Pflege. Für Coughlan erfordert eine gute Pflege den Einsatz von Fachkräften und eine auskömmliche Bezahlung der Mitarbeiterinnen.

Dass diese auskömmliche, tarifliche Bezahlung unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht möglich ist, wissen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deren Vertretung unterstützt die Geschäftsführung in ihrem Einsatz für eine angemessene Refinanzierung der Leistungen. „Caritas ist Vorreiter bei guten Arbeitsbedingungen sowie der Höhe von Löhnen und Sonderzahlungen. Dies kann nicht mehr gewährleistet werden aufgrund der stockenden Verhandlungen mit den Pflegekassen. Gesundheitsminister Spahn fordert angemessene Gehälter für Pflegekräfte, aber dies bekommt der Arbeitgeber nicht refinanziert, wenn die Pflegekassen es blockieren“, betont der Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, Sven Lehmann.

Aktuell beschäftigt die Caritas-St. Bernward ambulante Pflege 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.